Über Scheitern, Aufgeben und Selbstzweifel

Bin ich schwach, wenn ich etwas aufgebe? Bin ich ein Versager? Stehe ich im negativen Licht und werde von anderen belächelt, weil ich nicht „stark“ bin? Aufgeben ist eine Sache, die ich nicht kann. Und wenn doch, dann verfolgt mich die Entscheidung meist (viele) Jahre später mit viel Reue weiter. Doch woher kommen diese Gedanken? Dieser Leistungsdruck? Dieses „Was werden wohl die anderen denken?“. Ich weiß es nicht. Und genau das macht es schwierig. Die Ursache für etwas zu finden, was einen belastet. Letztlich ist es egal, was „die anderen“ denken – denn eigentlich soll es doch heißen „mein Leben = meine Entscheidungen“ oder nicht? Wenn ich mit etwas nicht zufrieden bin, muss ich dieses Etwas ändern, immerhin muss ICH mit meinen Entscheidungen leben und nicht jemand anderes. Früher habe ich mich viel zu sehr von anderen beeinflussen lassen, weil ich selbst nicht genug Selbstbewusstsein und Mut hatte, etwas so zu machen wie ICH es will. Die Marke der Schultasche, das Handy, geglättete Haare, Gerichte, Bücher, Musik … – die Liste ist leider noch länger – bei vielen Wünschen oder Entscheidungen habe nicht ich entschieden, sondern jemand anderes.

Nicht den anderen recht machen, sondern sich selbst

Ein ganz banales Beispiel: Die Person an der Kasse vor mir kauft sich ein Kilogramm Zucchini, die auf einer Plastikschale liegen und zusätzlich in Plastik eingehüllt sind, obwohl die losen Zucchini nur minimal teurer und ohne Plastik wären. Die Person ist sich darüber bewusst, dass die Menge an Plastik zu viel und nicht gut für die Umwelt ist, doch aufgrund des Transportes und den Strapazen, die das Gemüse bis in ihre Küche ausgesetzt ist, ist die gut verpackte Wahl einfach die bessere – Plastik hin oder her. Natürlich werden sich manche andere Einkäufer denken, dass die Person doch genauso gut die anderen Zucchini nehmen können hätte – doch sie werden sie nicht sofort als die Umweltverschmutzerin schlechthin bezeichnen. Die Person mit Zucchinis hat in dieser Situation so gehandelt, wie es für sie und nicht für alle anderen besser ist – zum Schutz IHRER Zucchini.

Wichtig (ganz besonders für Menschen wie mich): Man kann es nie allen recht machen: Hätte die Person die losen Zucchinis genommen, gäbe es immer noch welche, die die Herkunft oder die Anbauart kritisiert hätten und wäre Sommer, auch noch den Kauf – immerhin kann man Zucchini ja auch selbst anbauen.

Entscheidungen sollen das Leben positiv bereichern

Entscheidungen, die einen selbst betreffen, dürfen das eigene Leben nicht verschlimmern oder die Gedanken ins Negative lenken. Klar kommen bei größeren Entscheidungen oder anstehenden, selbst induzierten Veränderungen oft Selbstzweifel auf, ob die Entscheidung die richtige war, doch sie darf einen nicht hinunterziehen und schon überhaupt nicht darf die Meinung der anderen über einen selbst den Entscheidungsprozess beeinflussen – es ist nicht deren Leben.

Wenn man etwas aufhört, soll es nicht als Scheitern gelten, sondern vielmehr als Abschließen eines Lebensabschnittes, um einen neuen zu beginnen: Vieles hat plausible Gründe, sei es ein Beziehungsende, ein Jobwechsel, ein Ausbildungsabbruch oder ein Abbrechen des Trainings wegen zu geringer Kraft, Ausdauer oder Gefallen. Lese ich ein Buch nicht zu Ende, weil es mir nicht gefällt, ist das nun einmal so und nicht anders. Warum sollte ich es zu Ende lesen, wenn ich währenddessen ohnehin immer an andere Dinge denke? Nur weil man ein Buch „nicht einfach so aufhören“ kann? NEIN! Anders herum: Ein anderes Buch lese ich drei Mal im Jahr, weil es mir so gut gefällt. Denke ich dabei daran, was die anderen wohl denken? Denken sie vielleicht, dass ich ein kleiner Spinner bin, denn „wer liest dasselbe Buch drei Mal im Jahr“? Eher nicht. Doch selbst diese Gedanken würden mich persönlich nicht davon abhalten, es noch ein viertes Mal zu lesen. Dies führt mich nun schon zu meinem Resümee, das nicht einfach ist in das Gehirn zu bringen, doch wichtig für alle Menschen, die so wie ich von Zweifel bei Entscheidungen geplagt sind, bei denen doch „die andere sicher alles besser wissen und über einen urteilen“.

Zu den Entscheidungen stehen 

Im vorigen Beispiel seht ihr schon des Rätsels Lösung: Es ist mir egal, was die anderen denken, sobald es etwas ist, von dem ich überzeugt bin, das mir gefällt oder wofür ich zu +100% stehe. Selbiges soll jedoch für alle Entscheidungen und Veränderungen gelten. Wie eingangs bereits erwähnt muss es heißen „mein Leben = meine Entscheidungen“. Veränderungen im Leben werden immer gut durchdacht und mit Pro- und Kontra-Argumenten versehen, die in weiterer Folge als Begründung und zur Not als „Rechtfertigung“ gelten können. Treffe ich eine Entscheidung bewusst und zugunsten meinerseits, ist dies schon Erklärung genug – ganz egal wovon es handelt. Und im Sinne von etwas aufhören bedeutet dies nicht, etwas aufzugeben oder gar zu scheitern; Denn man ist mutig und wagt den Schritt zu etwas Neuem, das eine Verbesserung mit sich bringen wird. Sobald man zu seinen Entscheidungen steht und eine Meinung dazu hat, wird es „den anderen“ ohnehin egal sein, was man verändert hat. Das heißt: Kopf hoch, auf den Bauch hören und nicht die anderen oder die Vernunft und TUN.

(Dieser Blogpost soll primär auch für mich eine Erinnerung sein, das zu tun, was für mich besser und gesünder ist und nicht für ein besseres Ansehen bei anderen sorgt. Ich hoffe, dass es mir durch das Niederschreiben meiner Gedanken in Zukunft einfacher fällt, etwas zu entscheiden, worüber andere urteilen könnten.)

LISA


2 Gedanken zu “Über Scheitern, Aufgeben und Selbstzweifel

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